Hochschulgruppe Esperanto

Was ist Esperanto?

Die internationale Sprache Esperanto wurde geschaffen, um die Verständigung zwischen Menschen verschiedener Muttersprachen zu erleichtern. Esperanto soll also nicht die Nationalsprachen ersetzen, sondern stellt ein zusätzliches Angebot zur praktischen Völkerverständigung dar, alternativ zum herkömmlichen schwierigem Fremdsprachenlernen oder den verzweifelten 'Reden' mit Händen und Füssen. Esperanto ist nicht das einzige Projekt dieser Art, aber mit einer mittlerweile über 100jährigen Geschichte und Millionen von Sprechern in über 100 Ländern das weitaus erfolgreichste. Ein zumindest dem Namen nach vielleicht noch bekannter Vorgänger des Esperanto ist das (heute praktisch ausgestorbene) Volapük, weitere Projekte werden im Laufe dieses Textes noch erwähnt.

Die Esperantosprechenden sind zu einer starken und stabilen Gemeinschaft, vor allem im europäischen Raum, zusammengewachsen. Auch in aussereuropäischen Ländern wie China, Iran und Afrika wächst die Zahl der Esperanto-Sprechenden kontinuierlich. Seit der Anerkennung durch die UNESCO im Jahre 1954 arbeitet der Esperanto-Weltbund UEA mit anderen nichtstaatlichen Organisationen in verschiedenen Arbeitsgruppen der UNESCO mit, damit Esperanto als Fremdsprache in Schulen und Hochschulen Anerkennung und Aufnahme findet. Langfristig erfordert die unaufhaltsam wachsende und dichter werdende Vernetzung der Welt ein stärkeres Beachten des internationalen Sprachenproblems.

Zu den Anforderungen an eine ideale internationale Verständigungssprache gehört, daß sie neutral sein soll, also niemandes Muttersprache sein darf. Verwendet man dagegen eine Nationalsprache wie Englisch, Französisch, Russisch oder Chinesisch (um nur einige international bedeutsame zu nennen), sind Muttersprachler im Vorteil, während die anderen diese als Fremdsprache lernen müssen. Neutralität bedeutet Nichtdiskriminierung von Menschen, deren Muttersprache aus historischen oder politischen Gründen nicht international gebräuchlich ist.

Damit die neutrale internationale Sprache ihren Zweck erfüllen kann, muss sie natürlich auch für alle gleichermaßen leicht erlenbar sein. Würde man, um alle Sprachen gerecht zu behandeln, aus jeder von ihnen einzelne Elemente nehmen, wäre das Ergebnis eine schwer zu lernende Sprache, die mit keiner lebenden Sprache erkennbare Ähnlichkeit besässe. Ein Versuch in diese Richtung ist das LOGLAN-Projekt, bei dem mit Computerprogrammen aus kaum miteinander verwandten Sprachen ein Wortschatz konstruiert wurde. LOGLAN wurde allerdings nicht für den praktischen Einsatz, sondern für ein Forschungsprojekt entwickelt.

Esperanto wurde dagegen in seinem Grundbestand (Schrift und Aussprache, Grammatik, Grundwortschatz und ein mächtiges Wortbildungssystem) in jahrelanger Fleißarbeit von einem einzelnen Menschen entwickelt, Dr. L. L. Zamenhof, der seine 'Internacia lingvo' (internationale Sprache) unter dem Pseudonym 'Esperanto' (ein Hoffender) veröffentlichte. Der heute geläufige Name der Sprache bezeichnet also eigentlich ihren Autor. Er war ein guter Kenner vieler alter und moderner europäischer Sprachen, weswegen Esperanto fast ausschließlich auf Elementen der indoeuropäischen Sprachfamilie beruht. Die Wortwurzeln des Esperanto stammen zu über 90% aus den romanischen Sprachen, wohingegen die selteneren germanischen oder slawischen Worte manchmal etwas überaschend wirken. Dadurch und durch sein Vokalsystem (nur die Grundvokale A, E, I, O und U, keine Längen und Kürzen, Umlaute oder Nasale) klingt es wie Italienisch oder Spanisch. Auch das Esperanto-Alphabet mit seinen 28 Buchstaben ist wie in den meisten europäischen Sprachen eine leicht erweiterte lateinische Schrift, deren klare und einfache Ausspracheregeln eine große Erleichterung gegenüber dem Englischen oder Französischen darstellt. Die Position eines Buchstaben spielt für seine Aussprache keine Rolle, so klingt etwa ein c immer wie im Deutschen ein z, wo dagegen ein k erklingen soll steht es auch: cigaro, citrono, kafeo, kalendaro. Durch das Prinzip 'Ein Laut - ein Buchstabe' gibt es einige Extrabuchstaben (s^ für deutsches sch), andere entfallen (x wird ks).

Benachteiligt Esperanto durch seine erkennbar europäischen Wurzeln also die Nichteuropäer? Geht man nur vom oben beschriebenen strikten Neutralitätsideal aus, wäre das ein berechtigter Einwand, aber die dadurch gewonnnene leichtere Erlernbarkeit macht Esperanto auch für Menschen außerhalb Europas zu einem fairem Kompromißangebot. Die indoeuropäische Sprachfamilie ist heute die weltweit größte und auch ohne Esperanto mit vielen Lehn- und Fremdwörtern in außereuropäische Sprachen präsent, von wissenschaftlichen Fachausdrücken bis hin zur Umgangssprache.

Andererseits ist Esperanto aber auch nicht einfach eine europäische Sprache wie jede andere. Ihre Prinzipien, Wortstämme nicht zu verändern (keine unregelmässigen Verben) und bei der Wortbildung die Wortbestandteile unverändert aneinanderzufügen (Baukastensystem mit Vor- und Nachsilben) ähneln eher nichteuropäischen Sprachen wie Türkisch oder Chinesisch. Dieses nichteuropäische Element erleichtert das Lernen für alle.

Die Nähe des Esperanto zur indoeuropäischen Sprachfamilie entspricht also einem pragmatischen Kompromiß zwischen den konkurrierenden Anforderungen der sprachlichen Neutralität und der leichteren Erlernbarkeit. Den Menschen mit einer nicht indoeuropäischen Muttersprache kommt das Esperanto auf jeden Fall weiter entgegen als irgendeine europäische Nationalsprache.

Ein Vorbehalt, der gegenüber Esperanto immer wieder geäussert wird, ist, dass es eine künstliche Sprache sei, die ohne eigene Entwicklung und Kultur den 'natürlichen' Sprachen unterlegen sein müsse. Die Verwendung von Elementen aus verschiedenen Sprachen müßte zu einem hässlichen Mischmasch führen. Dem ist zunächst Sorgfalt und Geschick des Esperanto-Initiators Zamenhof entgegenzustellen. Esperanto ist kein Kauderwelsch oder Pidgin, dass sich aus der unkontrollierten Vermischung verschiedener Sprachen als Verlegenheitslösung entwickelt hat, sondern ein echtes Kunstwerk. Zamenhof hat zwar zu seiner 'künstlichen' Sprache nicht eine eigene Kultur dazuerfunden (wie man das von den Elfensprachen Tolkiens oder dem Klingonischen von Orkrand sagen kann), aber er hat neben der eigentlichen Spracherfindung noch etwas viel wertvolleres geleistet: literarische Übersetzungen aus mehrereren Sprachen, zahlreiche Originaltexte, auch Sprichwortsammlungen und Gedichte. Er hat dadurch die Leistungsfähigkeit von Esperanto als Kultursprache demonstriert und Maßstäbe gesetzt. Dies ist ihm so überzeugend gelungen, dass er viele Nachahmer aus verschiedenen Ländern fand und Esperanto sich auch nach schweren Rückschlägen (von einer umstrittenen Reform, die zur Abspaltung der Sprache Ido führte bis hin zur Verfolgung unter Hitler und Stalin) immer wieder erholt hat und man heute von einer eigenen Esperantokultur reden kann, die sich ebenso natürlich entwickelt hat wie bei nationalen Sprachen.

Wer Esperanto lernt, eröffnet sich nicht nur einen Zugang zu dieser 'eigenständigen' Kultur mit ihren nationalen und internationalen Organisationen und Treffen, sondern kann so besonders leicht Zugang zu Kulturen mit ihm frenden Sprachen erhalten, sei es durch Esperantoübersetzungen oder direkte Kontakte zu Muttersprachlern.

Es gibt übrigens innerhalb der Esperantokultur mittlerweile so etwas wie Muttersprachler, die 'denaskaj parolantoj'. Das sind Esperanto-Sprechende, die von kleinauf an mit Esperanto aufgewachsen sind. Nach der strengen Definition, daß die Muttersprache die Sprache der Umgebung ist, ist Esperanto bei ihnen zwar nur die 1. Fremdsprache, aber solche Kinder wachsen immer zweisprachig auf, sogar dreisprachig, wenn die Umgebungssprache nicht die Sprache beider Elternteile ist. Sie benutzen Esperanto etwa bis zum 3. Lebensjahr gleichrangig neben der anderen Sprache, wechseln aber bald, spätestens mit dem Kontakt zu gleichaltrigen Sprechern der Umgebungssprache, dauerhaft zu dieser über.

Spricht einer der Eltern unbeirrt weiter Esperanto, obwohl die Kinder deutsch antworten, bleiben die passiven Kenntnisse erhalten und werden mühelos reaktiviert, sobald die Kinder mit Esperanto-Sprechenden in Kontakt kommen, die ihre Muttersprache nicht verstehen. Für "Esperanto-Familien" ist es daher sehr wichtig, mit den Kindern regelmäßig an esperantosprachigen multikulturellen Veranstaltungen teilzunehmen, bis die Kinder sich auch aktiv sprachlich freigeschwommen haben.

Die Existenz solcher 'Esperanto-Familien', deren Elternteile sich oft über Esperanto kennengelernt haben, ist der beste Beweis, das Esperanto alles andere als künstlich ist, wenn man damit negativ 'gegen die Natur konstruiert' und 'nicht lebens- und kulturfähig' meint. Es ist aber kunstvoll geplant und in der Praxis bewährt - das ist seine einmalige Besonderheit und sein Vorzug. Dass Esperanto eine vollwertige Sprache ist, mit der man sich in allen Bereichen des menschlichen Lebens korrekt und auch feinfühlig ausdrücken kann, hat es in seiner Vergangenheit schon gezeigt. Kritisch sollte man eher darüber nachdenken, wie 'natürlich' die heutigen Nationalsprachen eigentlich sind. Hinter dem Vorwurf der Künstlichkeit an Esperanto steckt oft eigentliche eine überzogen idealisierte Vorstellung von natürlich gewachsenen Sprachen, die nicht angetastet werden oder durch fremde Einflüße verunreinigt werden dürften, also ein extremer Purismus aus dem Zeitalter der Nationalstaaten.

Wer die Entwicklung der natürlichen Sprachen unbefangen betrachtet, wird feststellen, dass sie auch nicht ohne die Dinge auskommen, die man Esperanto bis heute noch immer wieder vorwirft: Übernahmen aus verschiedenen anderen Sprachen (zunächst als Fremd- und Lehnwörtern, bis sie nicht mehr als fremd wahrgenommen werden, z.B. Parfüm, Girokonto oder Pullover im Deutschen) und normierende Eingriffe (im Deutschen etwa die Rechtschreibreformen von Duden bis heute). Es gibt auch Beispiele, wo durch aktive Unterstützung von Sprachwissenschaftlern gefährdete (weil nur noch in Schriftform oder verstreuten Dialekten existiernde) Sprachen, rekonstruiert und neu belebt wurden: das Irische, das Neunorwegische, das Rätoromanische und das moderne Hebräisch verdanken ihre heutige Lebendigkeit in Wort und Schrift weitreichenden normiernden Eingriffen, trotzdem wird sie niemand als künstlich bezeichnen.

Es hat auch verschiedene Projekte gegeben, um für die internationale Verständigung Sprachen zu schaffen, die vereinfachte Versonen existierender Sprachen darstellen (latino sine flexione, Basic English) oder nur wenige nahe miteinander verwandte Sprachen (Interlingua, Occidental: romanisch geprägte Sprachen) mit den Ziel einer größeren Einheitlichkeit und Natürlichkeit verschmelzen. Sie sind aber bis heute nicht so erfolgreich wie Esperanto, das mit seinen germanischen oder slawischen Wörtern und deutlichen Eigentümlichkeiten in der Grammatik (Autonomie statt Naturalismus) den Romanisten zwar missfallen mag, aber auf der ganzen Welt Anhänger fand und findet.

Da die Gegenüberstellung von 'natürlichen' Nationalsprachen einerseits und Espranto andererseits nicht sachgemäß und eher ideologisch motiviert ist, sollte man Esperanto nicht als Hilfs- oder Kunstsprache bezeichnen. Aber wie kann man Esperanto besser bezeichnen? Als internationale Plansprache. Denn international ist Esperanto wegen seiner weltweiten Verbreitung definitiv, und bei einer Plansprache handelt es sich um eine "nach bestimmten Kriterien bewußt geschaffene Sprache zur Erleichterung der internationalen Kommunikation" (nach Eugen Wüster). Das ist eine wissenschaftliche neutrale Definition, die auf Esperanto sicherlich zutrifft.


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Ursprung

Esperanto wurde von Dr. Lazarus Ludwig Zamenhof, einem Augenarzt jüdischer Abstammung aus Warschau, entworfen und 1887 mit einem Lehrbuch vorgestellt. Esperanto heißt eigentlich einfach nur "Lingvo Internacia" (Internationale Sprache); "Esperanto" (ein Hoffender) war das Pseudonym Zamenhofs, mit dem man aber bald seine Sprache selbst bezeichnete.

Ludwig Zamenhof (1859-1917) wuchs in Bialystok im damals russischen Protektorat (heutiges Polen) auf. In dieser Stadt lebten Juden, Polen, Russen, Deutsche und Litauer - und zwar alle streng getrennt voneinander. Die Atmosphäre war ständig von Haß und Feindseligkeiten zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen geprägt. Zu einem Kontakt kam es nicht, weil alle ihre eigene Sprache hatten. In dieser Zeit kam Zamenhof die Idee zu einer neutralen Zweitsprache, die die sprachlichen Barrieren überwinden und zur Verständigung der verschiedenen Völker führen sollte.


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Geschichte

Mit dem Lehrbuch von Zamenhof haben bald viele Menschen Esperanto gelernt. Zunächst waren es vor allem Russen (die mit Esperanto humanistische Ideen verbanden) und Franzosen (die den praktischen Gebrauch hervorhoben), unter ihnen viele Jugendliche, die sich trotz des überall blühenden Nationalismus für die neue Sprache engagierten. Weiter faßte die Esperantobewegung früh Fuß u.a. in Deutschland, Schweden, Japan, in der Donaumonarchie, China und Brasilien. 1905 fand in Boulogne-sur-Mer (Frankreich) der erste Esperanto-Weltkongreß statt, wo die Sprache das erste Mal im großen Rahmen angewandt wurde und ihre Bewährungsprobe als gesprochene Sprache bestand. Mit der Zeit entstanden unabhängige Institutionen wie die Akademio de Esperanto, 1908 der Welt-Esperantobund und 1938 die Welt-Esperantojugend. Bis 1914 gab es bereits in fast allen Teilen der Welt Esperantosprecher.

In diese Jahre der wachsenden Esperantobegeisterung fällt auch die kurze Geschichte de Esperantostaates. Die Region Neutral-Moresnet bei Aachen war seit 1831 unter gemeinsamer Verwaltung und Belgien. Dr Molly, Stellvertretender Bürgermeister dieser Region, war sprachbegabt und eigenwillig (Er ließ unter anderem eigene Briefmarken drucken, die aber schon nach 17 Tagen für ungültig erklärt wurden). 1906 ergriff er mit dem französischen Professor Dr. Roy die Initiative, einen Esperanto-Staat auf dem Gebiet Neutral-Moresnet zu gründen. Das Vorhaben war recht weit gediehen, aber durch den ersten Weltkrieg und den Tod von Dr. Molly 1919 blieb der Esperanto-Staat eine Episode in der europäischen Geschichte. Sein Gebiet gehört heute zu Belgien.

Nach dem Krieg wurde die Esperantobewegung schnell wieder stark. In der Weimarer Republik wurde sie vor allem von Arbeitern getragen und während des Dritten Reiches wegen ihrer Bestreben zur Völkerverständigung verboten und ihre Anhänger verfolgt, denn Hitler hegte einen besonderen Haß gegen die von einem Juden erfundene internationale Sprache.

1945 war die Esperanto-Gemeinschaft deutlich geschwächt, viele Esperantisten waren im KZ umgekommen. Nach dem Krieg wurden jedoch die Esperanto-Verbände in Westeuropa wiedergegründet und, nach einer Phase der Verfolgung unter Stalin, auch in Osteuropa Esperanto-Aktivitäten wieder zugelassen. Besonders seit der zweiten Hälfte der siebziger Jahre nahm die Zahl der Esperantosprechenden zu.

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ergaben sich völlig neue Kontaktmöglichkeiten für die Verbände in Ost und West. Die beiden vorher getrennten deutschen Verbände GEA und GDREA wurden vereinigt. Heute sind die großen Schwierigkeiten der Esperantofreunde in Mittel- und Osteuropa eher wirtschaftlicher Natur. Auch Chinesen tragen seit c.a. 1900 bedeutend zur Esperantobewegung bei. Seit den 50er und 60er Jahren wächst ebenfalls die Zahl der Esperantosprecher in der Dritten Welt.


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Verbreitung

Trotz brutaler Unterdrückung und Verfolgung unter Hitler und Stalin hat Esperanto heute in fast allen Ländern Anhänger. Von Nepal über Dänemark, Island, Russland und Nigeria bis Vietnam treffen wir esperantosprechende Menschen an und überall werden diese auch mit offenen Armen empfangen. In über 120 Länder werden heute über drei Millionen Esperanto-Sprechende gezählt. Eine genaue Zahl gibt es nicht, da die meisten nicht Mitglieder in Vereinen sind und somit statistisch nicht erfasst werden können.

Schwerpunktregionen sind vor allem Europa, Ostasien und Brasilien, eher wenige Esperanto-Sprechende Menschen finden wir in den arabischen Staaten. In Bulgarien und Ungarn wird Esperanto sogar als Fremdsprache in höheren Schulen angeboten. Auch China hat sich von seiner Nützlichkeit überzeugt. Da Esperanto leichter zu lernen ist als Englisch, hofft man mit ihm den Zugang zum westlichen "Industriestaaten-Wissen" nicht zu verlieren.

Leider ist Esperanto aber immer noch nicht soweit verbreitet, dass jeder seine Nützlichkeit als internationales Kommunikationsinstrument erkennen kann. Oft hört man das Vorurteil, Esperanto hätte sich 'nicht durchgesetzt'. Der große Vorteil von Esperanto, seine Neutralität, ist gleichzeitig auch der Nachteil, da sich bis jetzt noch kein absoluter Verfechter gefunden hat. Hinter der internationalem Verwendung vor allem des Englischen stehen dagegen massive politische und wirtschaftliche Interessen, denen Esperanto kaum etwas entgegensetzen kann. 'Durchsetzen' (wenn man diese Vorstellung von einem Sprachdarwinismus überhaupt gebrauchen will) konnte sich nur gegenüber seinesgleichen, also unter den Plansprachen. Sprachen setzen sich nicht von selbst durch, sondern werden durch politische und wirtschaftliche Kräfte verbreitet. Bis heute fördern die politisch mächtigen Länder nur ihre eigene Nationalsprache.

Eine besondere Schwierigkeit der weltweit verstreut lebenden Esperantosprecher besteht seit jeher darin, mit anderen Esperantosprechern in Kontakt zu treten und die Sprache regelmässig in der Praxis zu gebrauchen. Daher wird wohl von Aussenstehenden auch so oft nach der Verbreitung und 'Durchsetzung' von Esperanto gefragt, denn wer will schon eine Sprache lernen, die man gar nicht benutzen kann? Die Esperantosprecher haben sich jedoch von Anfang an als sehr erfinderisch erwiesen, um ihr (immer noch) ungewöhliches Hobby gemeinsam zu pflegen: Vereine, internationale Treffen, Zeitschriften und Brieffreundschaften gibt es fast von Anfang an, und heutzutage haben moderne Kommunikationsmittel (Interreto=Internet) die Kommunikation enorm erleichtert, verbilligt und beschleunigt. Wer heute Esperanto lernt, muß angesichts seiner zunehmenden Verbreitung und der technischen Möglichkeiten nicht befürchten, es nie einsetzen zu können. Zum Lernen und Lesen gibt es zahlreiche Internetangebote und viele Bücher, wer es auch hören und sprechen will, fährt am besten auf eines der zahlreichen Treffen.

Viele Esperantosprechende sind wie folgt organisiert: in Ortsgruppen (wie die Hochschulgruppe Esperanto Paderborn) eines Landesverbandes (in Deutschland der Deutsche Esperanto-Bund e.V. und die Deutsche Esperanto-Jugend e.V.) unter dem Dach des Welt-Esperantobundes (Universala Esperanto-Asocio) mit Sitz in Rotterdam. Adressenverzeichnisse wie das alljährliche "jarlibro" liefern die gewünschten Kontakte, neuerdings gleich mit Internet-Adressen. In größeren Städten findet sich auch im Telefonbuch ein Eintrag unter "Esperanto".


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Der Esperanto-Weltbund UEA, die UNESCO und PEN

Unzählige Fachorganisationen verschiedenster Berufe, Interessen oder Weltanschauungen auf internationaler wie auch nationaler Ebene finden wir quer über unseren gesamten Globus. Um aber die gemeinsamen Interessen der organisierten Esperantisten weltweit zu vertreten, gibt es den Espernato-Weltbund mit Sitz in Rotterdam. 1908 gegründet, ist er heute die grösste internationale Organisation mit Mitgliedern in 120 Ländern. Hauptsächlich auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen, arbeitet die Organisation als eine ,,Bewegung", die sich Ihren Idealen und Zielen verpflichtet fühlt und diese streng verfolgt. Neben ihrem Ideal der menschlichen Verständigung und Zusammenarbeit nennt die Satzung der UEA folgende vier Ziele:

  • "den Gebrauch der internationalen Sprache Esperanto zu verbreiten,
  • auf die Lösung des Sprachenproblems in den internationalen Beziehungen hinzuarbeiten und die internationale Kommunikation zu erleichtern
  • jede Art der geistigen und materiellen Beziehungen zwischen den Menschen zu erleichtern, ungeachtet der Unterschiede der Nationalität, der Rasse, des Geschlechts, der Religion, der politischen Anschauung oder der Sprache,
  • unter seinen Mitgliedern ein starkes Solidaritätsgefühl heranwachsen zu lassen und bei ihnen Verständnis und Achtung für andere Völker zu entwickeln."

Seit 1954 wird die Sprache Esperanto auch offiziell von UNESCO anerkannt, aufgrund der Übereinstimmung der Ziele und Ideale der UNESCO mit den Errungenschaften von Esperanto. Diese Zusammenarbeit hält bis heute an. Neben UNESCO hat Esperanto auch eine beratende Beziehung mit den Vereinten Nationen, UNICEF, dem Europarat und weiteren internationalen Organisationen.

Auch der internationale Schriftstellerverband PEN hat Esperanto wegen seiner mittlerweile beachtlichen Originalliteratur anerkannt. Es gibt in der Tat renommierte Schriftstller, die (überwiegend) direkt auf Esperanto schreiben wie Wiliam Auld oder Claude Piron. Angesichts dieser Tatsachen kann man die herablassende Bezeichnung von Esperanto als kulturlose Kunstsprache wohl nur als ein Vorurteil bezeichnen.


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Europäische Union

Durch die jüngste Erweiterung der Europäischen Union wird das seit jeher nicht befriedigend gelöste Sprachenproblem in ihr weiter verschärft. Nach dem (bisherigen) EU-Vertrag sind alle 11 Amtssprachen gleichberechtigt. In der Praxis aber haben sich Englisch und Französisch zur Vereinfachung der Kommunikation als Arbeitssprachen herausgebildet. Dies missfällt den nicht englisch- und französisch-sprechenden Ländern. Es erschwert ihnen die mündliche wie auch schriftliche Kommunikation und somit die aktive Teilnahme am Geschehen. Dieses aktuelle Problem ist nur eines von vielen, welches uns direkt und unverschleiert aufzeigt, dass das Sprachenproblem in Europa ein grosse Hindernis darstellt, das Ziel eines vereinigten Europas zu erreichen.

Die nationalen Regierungen versuchen verständlicherweise, die Verwendung ihrer eigenen Nationalsprachen auch als Arbeitssprachen zu fördern. Das löst aber nicht das Problem der steigenden Übersetzungskosten und der Benachteiligung 'kleiner' Spachen, sondern verschärft es. Die einzig faire und kosteneffiziente Lösung wäre eine neutrale Sprache wie Esperanto oder Latein. Allerdings ist diese Lösung zur Zeit nicht mehrheitsfähig, ohne dass ihre Gegner gute Alternativen anzubieten hätten. Kultur- und Ideenaustausch innerhalb Europas leiden unter den Sprachbarrieren, Handel und Industrie in Europa sind dadurch international benachteiligt.

Soll Europa weiter zusammenwachsen, so braucht es wohl eine gemeinsame Sprache, so wie die USA das Englische eint, oder die ehemalige Sowjetunion das Russische und das mittelalterliche Europa das Lateinische zusammenhielt. Die Lösung kann aber nicht darin bestehen, eine oder einige wenige der großen Nationalsprachen allen Europäern als Zweit-(bzw. Dritt-,Viert-)sprachen aufzuzwingen. Angesichts der Schwierigkeiten des Fremdsprachenlernens für die meisten Menschen würde dies die Europabegeisterung auch bei einer politisch ausgewogenen Auswahl nicht fördern, und kleine Sprachen würden womöglich auf Dauer verdrängt.

Die europaweite Einführung von Esperanto (oder allgemein: einer neutralen internationalen Plansprache) als Zweitsprache könnte nicht nur alltägliche Kommunikationsprobleme besser lösen als die bisherige Praxis, sondern auch erheblich dazu beitragen, eine gemeinsames kultruelle Identität zu entwickeln, ohne in Konkurrenz mit den überkommenen nationalen Identitäten zu treten. Dass Esperanto diese einigende Kraft tatsächlich besitzt, hat es bereits unter seinen Anhängern bewiesen.

Aber zur Zeit fehlen Esperanto mächtige Fürsprecher, und seine Gegner können sich bei ihren 'Argumenten' oft auf die alten dummen Vorurteile verlassen, selten wird ihen öffentlich widersprochen. Bleibt der europaweite Einsatz von Esperanto nur eine schöne Utopie? Vielleicht, zumindest vorerst. Aber die Überwindung dese eisernen Vorhanges hat auch einmal so angefangen.


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Esperanto-Stern und Esperanto-Ei

Der grüne Esperantostern wurde schon von Esperanto-Initiator Zamenhof selbst als Erkennungszeichen benutzt. Manche Esperantofreunde weisen sich mit ihm als Esperantisten aus, indem sie ihn tragen. Auch in der Esperantofahne ist er wiederzufinden. Seine fünf Zacken sollen die Erdteile symbolisieren und die grüne Farbe die Hoffnung. Da er aber dem roten Stern der ehemaligen Sowjetunion und den Symbolen verschiedener politischer Bewegungen ähnelt, führte dieses Symbol immer wieder zu Irritationen und negativen Assoziationen, weshalb es trotz seiner langen Tradition nicht mehr so oft benutzt wird.

Um die politische Neutralität von Esperanto zu verdeutlichen, sind viele Esperantosprecher dazu übergegangen, statt des Sternes das Jubiläumszeichen zu verwenden. Dieses Zeichen ist 1987 anläßlich des 100-jährigen Bestehens erschienen und wird häufig wegen seiner Form auch als "Esperanto-Ei" bezeichnet.

Dieses neue Zeichen wirkt freundlicher und kann auch im Sinne der Esperantobewegung gedeutet werden: Die beiden großen "E" stehen für Esperanto, die Form erinnert an Weltkarten in Atlanten und daher an seine weltweite Verbreitung.

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Autor: Sebastian Hoffmann